bund.dev: Updates Dezember 2021

Bei bund.dev dokumentieren wir in einer immer größer werdenden und dezentral organisierten Community die Programmierschnittstellen von Behörden. Jetzt nach 4 Monaten wollen wir das erste Mal Bilanz ziehen und einen Ausblick geben, wie es in den nächsten Monaten weitergeht.

Allgemeine Informationen zum Projekt bund.dev findet ihr in diesem Artikel.

Nach dem Start von bund.dev im August mit 8 Schnittstellen sind es heute über 30. Mittlerweile dokumentiere und programmiere ich allerdings auch nicht mehr alleine sondern über 50 Menschen beteiligten sich in den letzten Monaten an den Dokumentationen und Integrationen. Das Projekt ist also gewaltig gewachsen. Im Folgenden will ich einerseits unsere Erfolge feiern und andrerseits Fragen aufwerfen, wie wir denn damit unseren politischen Zielen näherkommen.

Zahlen

Stand heute, 01.12.2021:

  • haben sich über 50 Menschen an den Dokumentationen und über 100 Menschen an den Diskussionen auf Github beteiligt
  • es wurden über 30 Schnittstellen dokumentiert
  • etwa die Hälfte der Schnittstellen ist bisher in unsere Python-Library eingebunden
  • keine Behörde hat uns bisher verklagt

Reaktionen von Behörden

Während die absolute Mehrheit von Behörden sich bisher nicht zu bund.dev geäußert hat, gibt es einige Ausnahmen:

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat sich von sich aus bei uns gemeldet. Sie habe sich an Diskussionen auf Github beteiligt, Schutzmechanismen von ihren Schnittstellen entfernt und selbst Dokumentationen bereitgestellt, die wir bei bund.dev integrieren werden. Darüber freuen wir uns sehr. An dieser Stelle auch noch mal Dankeschön an unseren Community-Member Jens für seine Unterstützung bei der Kommunikation mit dem Bundesamt.

Leider gab es bisher auch zwei nicht so schöne Fälle aus Bundesbehörden.

Einerseits hat die Bundesagentur für Arbeit ihre Schnittstelle umgebaut und somit kurzfristig unsere Dokumentation nutzlos gemacht. Dieses Problem konnten wir allerdings relativ schnell durch aktualisieren der Dokumentation beheben. Leider wurden dabei auch einige Endpunkte mit Captchas geschützt. Menschen, die diese Daten zukünftig also abrufen wollen, müssen eine Menge Rechenleistung oder Lebenszeit für das Lösen von Captchas verschwenden. (netzpolitik berichtete)

Außerdem gab es bei der Schnittstelle der Nina-App, bereitgestellt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, ein bisschen Twitterpöbelei und Androhungen — weil man dort der Auffassung war, dass Katastrophenwarnungen unters Urheberrecht fallen würden 🤣. Da sich das Bundesamt aber irgendwann einfach nicht mehr gemeldet hat, wurde dort scheinbar akzeptiert, dass ihre Daten nun über eine dokumentierte Schnittstelle verfügbar sind.

Neuerungen bei bund.dev

Bei bund.dev haben wir in den letzten Monaten nicht nur immer wieder neue APIs dokumentiert. Sondern wir haben uns auch um die Themen Infrastruktur für APIs, Automatisierung und Libraries gekümmert.

Unter status.bund.dev überwachen wir bereits einige Schnittstellen. So können wir schneller sehen, falls eine API ausgefallen ist, umgebaut oder gesperrt wurde.

Unsere Python-API-Clients generieren wir mittlerweile größtenteils automatisch aus den Dokumentationen der Schnittstellen. Umgesetzt wurde das z.B. schon bei der Autobahn-API. Ein fettes Dankeschön dafür an wirthual!

Außerdem arbeitet momentan insbesondere lukaspanni an der Dokumentation unseres Python-Clients. Bald sollte also auch das “durch den Code wühlen um den API-Client zu verstehen” der Vergangenheit angehören.

Und auch die Repositorys und API-Proxys werden seit Längerem automatisch via Terraform generiert. Dadurch können wir mittlerweile eine neue API-Dokumentation mit wenigen Zeilen Code anlegen.

Und auch die Contributor-T-Shirts wurden gedruckt und werden in den nächsten Tagen versendet.

Außerdem hat bund.dev ab heute sein eignes Slack, um Kommunikation zwischen den Aktiven zu vereinfach. Hier könnt ihr beitreten.

Wie geht es weiter? Viele Fragen.

Es warten immer mehr APIs darauf, dokumentiert zu werden und wir müssen uns mittlerweile mit all unseren API-Bindings, API-Monitoring-Tools und der Automatisierung von Prozessen nicht mehr vor vielen anderen Staaten mit guter Open-Data-Politik verstecken. Wir freuen uns natürlich weiterhin über neue API-Ideen.

Gleichzeitig suchen wir weiterhin nach Menschen, die Lust auf APIs dokumentieren und alles, was sonst so anfällt, haben. Und falls ihr bereits eine auf bund.dev dokumentierte Schnittstelle benutzt, würde ich mich über ein Ticket mit einem Link zum Projekt freuen. Damit wir demnächst einige Usecases für die APIs auf bund.dev präsentieren können.

Aber langsam sollten wir auch darüber nachdenken, wie wir mehr politischen Einfluss mit unserem Vorgehen erlangen können. Damit unsere Vision, dass alle staatlichen Datenbanken standardmäßig über offene über Schnittstellen verfügen, auch zur Realität wird.

Wie wir aus vielen Projekten der Vergangenheit wissen, können wir das “die Zivilgesellschaft übernimmt Aufgaben des Staates”-Spiel nicht ewig weiterführen. Es ist weniger eine Frage ob und mehr die Frage wann uns die ersten Behörden verklagen, weil sie unsere Arbeit nicht verstehen. Sind Dokumentation und API-Clients noch OK? Oder werden die, wenn wir dabei Captchas umgehen, zu Hackertools? Wenn wir richtig gute Schnittstellen anbieten wollen, müssen wir demnächst selbst API-Proxys anbieten, um die schlimmsten API-Verbrechen von Behörden wegzuabstrahieren. Gehen wir damit zu weit?

Es kann nicht unser Job sein, die Aufgaben von staatlichen Institutionen zu übernehmen.

Es muss klar sein, dass unser Job als Zivilgesellschaft nur “Showing whats possible” ist. Das haben wir mit bund.dev mal wieder gemacht. Das Gegenstück (nach Cyd Harrel) dazu “Doing whats necessary” — also die digitale Basisinfrastruktur, die wir brauchen, zu bauen — ist und bleibt Aufgabe des Staates.

Wie können wir also unsere politischen Ziele so vertreten, dass wir die Arbeit von bund.dev in Zukunft nichtmehr selbst übernehmen müssen?

Einige erste Schritte in die richtige Richtung sind bemerkbar. Behörden wie das Bundesamt für Strahlenschutz haben ihre APIs freigegeben. Nächste Woche darf ich auf einer Konferenz einigen Menschen der EU-Commission unser Vorgehen vorstellen. Und auch im Koalitionsvertrag wird OpenData als ein wichtiger Punkt erwähnt. Ich bleibe optimistisch, dass wir uns als zivilgesellschaftliche “Bundesstelle für Open Data” in 2 bis 3 Jahren abschaffen können 😉. Und hoffe, dass die neue Regierung nicht wieder auf Schnellboote und Leuchttürme sondern auf konsequenten Wissensaufbau in der Verwaltung setzt.

So lange müssen wir vermutlich weiter dokumentieren. Oder habt ihr andere Ideen?

Ich freue mich auf die Diskussionen.

Wenn ihr meine zivilgesellschaftliche Arbeit zu Themen wie z.B. Verwaltungsdigitalisierung, Sicherheitsforschung und Open Data unterstützen wollt, dann könnt ihr das via Patreon tun. Außerdem könnt ihr mir auf Twitter folgen.

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“der Schwarze Block der Verwaltungsdigitalisierung” 🏳️‍🌈 https://de.wikipedia.org/wiki/Lilith_Wittmann

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